Die Geschäftsordnung gibt den Fraktionen die Möglichkeit, zu aktuellen Ereignissen Stellung zu nehmen. Von dieser Möglichkeit möchten wir heute Gebrauch machen.

Seit dem 17. Juni erleben wir in den tiefen Lagen der Schweiz eine ununterbrochene Serie von Hitzetagen mit Temperaturen von über 30 Grad. Die Wetterprognosen gehen davon aus, dass diese Hitzewelle noch mindestens eine weitere Woche andauern wird. Bereits jetzt werden Rekorde für Juni-Temperaturen und die Dauer einer Hitzeperiode erreicht oder übertroffen.

In den Medien werden solche Wetterlagen oft mit Bildern aus den Badis illustriert. Tatsächlich bringen die warmen Temperaturen vielen Menschen schöne Sommererlebnisse und ein mediterranes Feriengefühl. Diese Freude am Sommer wollen wir niemandem nehmen.

Die gegenwärtige Hitzewelle gibt aber auch Anlass zur Sorge. Hohe Temperaturen erschweren das Arbeiten, insbesondere für Menschen, die körperlich im Freien tätig sind – etwa auf Baustellen oder im Strassenunterhalt. Auch das Lernen in aufgeheizten Schulzimmern und Hörsälen wird anspruchsvoller. Für ältere Menschen, Kranke und andere besonders gefährdete Personen kann Hitze sogar zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden.

Gleichzeitig leidet die Natur unter den hohen Temperaturen und der zunehmenden Trockenheit. Erste Gemeinden rufen bereits zum Wassersparen auf oder stellen Brunnen ab. Selbst das Kernkraftwerk Beznau musste wegen der hohen Wassertemperaturen der Aare seine Leistung reduzieren.

Diese Hitzewelle verursacht Kosten für Mensch, Wirtschaft und Umwelt.

Nun: Hitzewellen hat es schon immer gegeben. Einzelne heisse Sommer sind kein Grund zur Beunruhigung. Besorgniserregend ist jedoch die Entwicklung als Ganzes. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen liegen in der Schweiz alle in den letzten fünfzehn Jahren. Hitzeperioden treten häufiger auf, dauern länger und erreichen höhere Temperaturen.

Für diese Entwicklung gibt es eine wissenschaftlich gut belegte Erklärung: die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung. Die physikalischen Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten bekannt. Erstaunlich – und gleichzeitig alarmierend – ist, wie präzise die Prognosen, die bereits in den 1970er-Jahren gemacht wurden, heute eintreffen.

Gerade darin liegt aber auch eine gute Nachricht: Was vom Menschen verursacht wird, kann vom Menschen auch beeinflusst werden.

Für unsere Stadt ist die Ausgangslage klar. Die Oltner Stimmberechtigten haben den Klimaartikel mit grosser Mehrheit in die Gemeindeordnung aufgenommen. Damit haben sie uns den Auftrag erteilt, die Bevölkerung vor den Folgen der Klimaerwärmung zu schützen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen. Mit der eingereichten Stadtklimainitiative liegen zudem konkrete Vorschläge auf dem Tisch.

Wenn wir in den kommenden Monaten über entsprechende Vorlagen beraten werden, ist die aktuelle Hitzewelle vielleicht bereits vorbei. Die Herausforderungen, auf die sie uns aufmerksam macht, werden jedoch bleiben.

Lassen Sie uns deshalb die heutige Hitze nicht nur als Wetterereignis betrachten, sondern auch als Erinnerung an einen Auftrag, den uns die Bevölkerung gegeben hat. Wie wir diesen Auftrag erfüllen, darüber werden wir politisch weiterhin diskutieren. Dass wir ihn ernst nehmen müssen, daran sollte uns diese Hitzewelle keinen Zweifel lassen.

 

Olten, 24. Juni 2026

Lukas Lütolf

Mitglied Gemeindeparlament