Zusammen Verkehr
Immer wieder gibt es Situationen, in denen die verschiedenen Verkehrsteilnehmenden gegeneinander ausgespielt werden. So geschehen auf offener Strasse, wenn zum Beispiel ein Autofahrer eine Velofahrende anschreit, wenn diese vom signalisierten Recht Gebrauch macht, an einer roten Ampel rechts abzubiegen. Die Schilder mit einem gelben Fahrrad auf schwarzem Hintergrund, welche an den Lichtsignalen der Kantonsstrassen angebracht sind, wurden in Olten leider sehr spät aufgehängt, obwohl der Beschluss bereits am 1. Januar 2021 in Kraft trat. Nun hängen sie endlich. Doch, werden sie auch von Autofahrenden als solche erkannt? Die beschriebene Situation lässt zweifeln.
Hier geht es nicht darum, die Strasse als Kampfzone zu betrachten. Es ist eine Zone des Miteinander-Verkehrs, in der alle Nutzer:innen für ihre eigene Sicherheit und die der anderen besorgt sein müssen. Es gibt unterschiedliche Akteur:innen mit unterschiedlicher Fragilität. Hat Vorsicht nicht die oberste Priorität, sind Fussgänger:innen am meisten betroffen. Doch auch ein:e Velofahrende:r ist den 1,5 Tonnen eines Autos komplett ausgeliefert. Dieser Fakt geht meiner Meinung nach oft vergessen, zu oft ist das gegenseitige Zurechtweisen wichtiger.
Erinnern wir uns zurück an den Prozess des Mischverkehrs am Kantihügel in den 80ern, bei dem es anfänglich kaum denkbar war, dass ein Trottoir, welches die Zone der Zufussgehenden sichert, aufgegeben werden könnte; oder an die alte Brücke, die nun auch seit Jahren von Fussgänger:innen und Velofahrenden gemeinsam genutzt wird. Es sind Beispiele, die zeigen, dass Vorsicht ein Miteinander möglich macht.
In der heftig debattierten Stadtklima-Initiative, für welche das Parlament nun einen Gegenvorschlag erarbeitet, wird auf sichere Wege und Begegnungsräume für Zufussgehende und Velofahrende gesetzt. Ein weiterer Grund, diese Initiative zur Umsetzung zu bringen!
Erschienen am 12. Dezember 2025 in der Neuen Oltner Zeitung
Regina Graber
Gemeinderätin